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News

Das situative Manifest

Walter Knoll Gebäude

Was bestimmt eigentlich, wie wir arbeiten? Wie wir Büros und Projekte organisieren? Ist es der Prozess? Die Funktion? Die Betrachtung ist unvollständig, sagt Markus Benz, Chef von Walter Knoll, es fehlt die dritte Dimension: die Situation! Zeit für neues Denken

Das Unternehmen schafft das Bewusstsein, im Büro steckt seine Identität. Wenn Sie morgen einen Arzt besuchen, wissen Sie sofort, bewusst oder unbewusst, schon beim Eintritt in die Praxis, ob Sie sich gut oder schlecht aufgehoben fühlen, ob Sie dem Arzt vertrauen oder nicht. Obwohl Sie ihn womöglich vorher noch nie gesehen haben. Dasselbe gilt für Kanzleien, Hotels, und natürlich gilt es für Büros. Menschen lesen Räume wie Gesichter – in Sekundenschnelle, und reagieren entsprechend mit Zuneigung, Abneigung, Vertrauen oder Misstrauen.

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Umgebung verändert Denken und Verhalten. Im Zeitalter der Marke, der Digitalisierung und des demografischen Wandels ist das Büro längst keine Nebensache mehr. Im Gegenteil: Es ist Kraftort der Company. Dass Menschen sich dort wohlfühlen, ist noch das Mindeste. Aber sogar das galt lange nicht als selbstverständlich.

Früher glichen Büros tristen Zellen. Massenweise graue Tischplatten, beiges Laminat, Räume für den getakteten Achtstundentag. Design und Material waren auf Haltbarkeit getrimmt, verströmten unverwüstliche Tristesse, und das galt auch im gehobenen Einrichtungssegment. Der Ansatz war funktional: hier das Chefbüro, dort der Konferenzraum, da die Kaffeeküche und die kleinen Zellen für die Angestellten. Die Wertigkeit des Mobiliars richtete sich nach dem Status.

Mitte der Neunzigerjahre kam ein neues Lebensgefühl auf und eroberte allmählich auch deutsche Bürowelten. Vor der Jahrtausendwende wurde unser Blick internationaler. Architektur, Künste, Design, Internet und Digitalisierung begannen ihren Siegeszug um die Welt. Damit stieg der Anspruch ans Design – nicht nur, aber eben auch im Büro.

Noch etwas anderes geschah: Das Papier verschwand, die Zahl der Akten und Ordner ging zurück, Bildschirme auf den Schreibtischen wurden kleiner, dafür gab es Screens in Meeting-Räumen für Videokonferenzen und Präsentationen. Whiteboards, Flipcharts, Moderationskoffer. Es wurde gesprächig im Büro, denn was geschah, musste erfasst werden und verarbeitet. Die Arbeit wurde mehr und mehr digital – und mit ihr unsere Werkzeuge. Seit dieser Zeit stellen wir uns Fragen nach Prozessen. Diese Fragen beschäftigen uns noch immer: Welche Aufgaben haben Menschen? Was brauchen sie, um diese Aufgaben zu erfüllen? Wie kann ein Unternehmen Kreativität, Leistung und Motivation des Einzelnen fördern?

Das war gut, wichtig und richtig – aber im Grunde ist bis zu dem Punkt noch der Raum mit dem Prozess gleichgeschaltet. Um aber die oben erwähnten Effekte zu erzielen, also Kreativität, Motivation und Leistung miteinander zu potenzieren, braucht es Frei-Räume. Umgebungen, die Verbindungen schaffen. Räume, die flexibel sind. Organische Orte. Damit wir arbeiten können, wie es die Situation erfordert. Und nicht der Raumplan.

Durchschnittlich vier bis sechs Meetings pro Tag haben Menschen im Büro – und keins davon ist gleich. Gleichzeitig ist die Anzahl der Räume in Unternehmen oft begrenzt. Deshalb gestalten wir Büros und eben auch Konferenzräume heute so, dass sie Angebote machen – unterschiedliche Bereiche für unterschiedliche Situationen. So erlaubt ein moderner Konferenzraum zum Beispiel große Runden am Konferenztisch, vertrauliche Gespräche führen wir in einer Sitzecke in der Nähe, wo auch ein Teppich liegt. Schnelle Team-Meetings finden gegenüber statt, am Stehtisch oder bei der Polsterbank am Fenster.

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So kommt die Situation ins Büro – mit der Variation von Möbeln und Bereichen. Orte für Begegnungen, mal vertraulich, mal leger. So wird der Konferenztisch schmal und klappbar, weil das die Nutzung des Raums auch ohne Tisch zulässt. Und auch ein Schreibtisch kann zum Stehtisch werden für die kleine Morgenrunde. Das ist die Zeit für die Sensibilität der Leader. Die Hauptaufgabe des Managers ist heute Kommunikation. Umso wichtiger ist es, dass er für seine Gespräche die passende Situation findet und sie nutzen kann – den Konferenzraum, das Sofa, die Polsterbank, den Stehtisch.

Und damit sich diese Kommunikation ausbreiten kann und daraus Kreativität, Leistung, Ideen und Erfolg entstehen, braucht es Umgebungen, die sympathisch sind, offen, wertig und flexibel. Woran man sie erkennt? Das werden Sie spüren, sobald Sie den Raum betreten.

Von Markus Benz

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