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News

Geza Schön — Parfümeur

Weniger riecht mehr

Reduktion + Sinnlichkeit

Geza Schön

Der Berliner Parfümeur Geza Schön verstößt gegen alle Regeln der Branche. Wie das Bauhaus auf alles Überflüssige verzichtete, so hat der Duftpurist durch funktionalistische Finesse einen Welterfolg kreiert

Ein modernes Parfüm ist nicht einfach nur ein Duft. Es ist eine aufwendige Komposition, die sich nach einem festgelegten Ablauf entfaltet: Da ist die Kopfnote, die den ersten Eindruck eines Parfüms bestimmt, dann die Herznote, die seinen Charakter prägt, und schließlich die Basisnote, die sich mit dem Geruch der Haut verbindet, weshalb jedes Parfüm an jedem Menschen ein wenig anders wirkt. Auch etwas so Flüchtiges wie ein Duft hat Struktur. »Linearität und Komplexität, das sind die Eigenschaften jedes guten Parfüms«, sagt Geza Schön. »Das heißt aber nicht, dass es deshalb kompliziert sein muss.« Der Berliner Parfümeur gilt als Rebell in der Branche. Zum einen, weil er nicht mehr bei einem Label arbeitet, sondern seine Düfte selbst herausbringt. Vor allem aber, weil er mit der Regel gebrochen hat, dass ein neues Parfüm immer eine Kombination aus jenen zweitausend erprobten Riechstoffen zu sein hat, die alle Parfümeure verwenden, wenn sie einen Duft erschaffen wollen. Niemand wäre auf die Idee gekommen, für ein neues Parfüm nur einen einzigen Riechstoff zu verwenden. Niemand außer Geza Schön.

»Dafür muss man kein Genie sein«, sagt er, »man muss nur außerhalb des Paradigmas denken können.« Hier trifft sich die Philosophie von Geza Schön mit der von Walter Knoll. So wie der Parfümeur die Quelle eines Dufts herausschält, so betont Walter Knoll den Ursprung von Material und Funktion. Ein Stuhl ist und bleibt ein Stuhl. Leder, Stein und Holz wirken durch ihre Natürlichkeit. Hier wie da: Die Raffinesse des Purismus hat das Bauhaus vorgezeichnet – eine Linie, jenseits derer die Beliebigkeit lauert. In Geza Schöns Branche herrschte bisher die Regel, dass ein Duft umso aussagekräftiger wird, je komplexer er zusammengesetzt ist. Mehr ist mehr und: Fülle entsteht durch Menge – so wird in vielen Branchen gedacht. In der Parfümerie hat das dazu geführt, dass die Düfte immer ähnlicher werden. Bis Geza Schön vor einigen Jahren »Molecule 01« auf den Markt bringt. Ein Parfüm, das den entgegengesetzten Weg geht, zurück in die Einfachheit, die Klarheit, die Reduktion. Ein Parfüm, das einem neuen Denken entspringt, souverän wie ein Bauhaus-Entwurf.

»Molecule 01« besteht aus nur einem einzigen synthetisch hergestellten Molekül. Es heißt Iso E Super und wird seit den Siebzigerjahren als Baustein für Parfüms verwendet, aber immer in geringen Mengen. Geza Schön hat es in seiner Ausbildung als Parfümeur bei einem großen deutschen Dufthersteller kennengelernt und nicht mehr vergessen, seit er es abends einem Freund in einer Bar zeigte, woraufhin dieser keine zehn Minuten später von einer Frau auf seinen Duft angesprochen wurde. »Iso E Super riecht holzig, trocken und warm, hat aber auch etwas Hautiges, Samtiges«, sagt Geza Schön. »Es ist sexy, aber es geht einem nicht auf die Nerven.«

Es dauerte dann allerdings noch zwölf Jahre, in denen Geza Schön für den großen Dufthersteller in Singapur, London, New York und Buenos Aires arbeitete, bis er seine Idee vom eigenen Duft umsetzte. Heute gehören Stars wie Kate Moss oder Lionel Messi zu seinen Kunden. Er würde nicht sagen, dass er eine bessere Nase hat als andere Parfümeure. Ein guter Parfümeur arbeitet in Wahrheit auch nicht mit seiner Nase, er arbeitet mit der ganzen Fülle an Assoziationen, Erinnerungen und verborgenen Wünschen, die ein Duft in einem Menschen auslöst. »Alles, was wir riechen, ist Emotion«, sagt Geza Schön. »Kein anderer unserer Sinne wird so sehr von unseren Gefühlen getriggert. « Manchmal scheint der Weg zum großen Gefühl einfach.


Zur Person

Geza Schön begann mit dreizehn Jahren, Proben von Herrenparfüms zu sammeln. Nach dem Abitur arbeitete er zwölf Jahre lang weltweit für die Parfümindustrie, 2005 gründete er in Berlin-Kreuzberg das Label Escentric Molecules. Dort entwickelt er Düfte, die zum Teil auf nur einem Molekül basieren.

Text: Marcus Jauer