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Referenzen

Los Angeles, USA

Thomas Mann House

Pacific Bliss

Einst war sie das Refugium eines Ausnahmeschriftstellers. Jetzt ist die kalifornische Villa ein Ort für deutsche Intellektuelle, Künstler und Wissenschaftler – um zu arbeiten, zu debattieren und sich zu Hause zu fühlen.

Kein Museum, sondern ein deutsches Kulturinstitut – die Vorgabe war eindeutig. Das Thomas Mann House in Los Angeles sollte keine Gedenkstätte werden, in der Literaturpilger andächtig um den Schreibtisch schleichen. »Ganz im Gegenteil«, sagt Ursula Seeba-Hannan. »Hier werden Stipendiaten monatelang wohnen und arbeiten, sie werden Gäste empfangen und mit ihnen debattieren. Dabei sollen sie sich wohlfühlen, deshalb wirkt alles ganz selbstverständlich.«

Ursula Seeba-Hannan ist Gesellschafterin der Berliner LenzWerk Holding und hat Thomas Manns amerikanische Villa neugestaltet, als einen Ort, an dem deutsche Kultur erlebbar wird. Der Schriftsteller hatte die Villa Anfang der Vierzigerjahre für sich und seine Familie gebaut, als Zufluchtsort während der Nazizeit. 1952 gingen die Manns zurück nach Europa, das Haus wurde verkauft, vermietet, umgebaut. Als es 2016 erneut auf dem Markt war, griff das Auswärtige Amt zu: ein doppelter Glücksfall. Die Villa, entworfen vom Architekten Julius Ralph Davidson, entging so dem Abriss. Und die Bundesregierung gewann einen Ort für deutsch-amerikanische Begegnungen. Forscher, Künstler, Intellektuelle werden das Haus nun mit demokratischem Geist füllen.

Thomas Mann hätte das gefallen. Der Autor von »Buddenbrooks« lebte seit 1933 im Exil, er suchte Abstand zur Unkultur der Nazis. Nach Jahren des Umherziehens ließ er sich 1942 mit seiner Familie endlich in einem eigenen Haus nieder: 1550 San Remo Drive, Pacific Palisades, Los Angeles. Dort schrieb er die Radioreden »Deutsche Hörer«, in denen er zum Widerstand gegen die Nationalsozialisten aufrief. Dort empfing er andere Exilanten wie Theodor W. Adorno, Bertolt Brecht und Albert Einstein.

Ein gut gestaltetes Haus befreit. Es bietet Schutz nach außen und gibt im Innern Raum, um frei zu denken, frei zu reden. Weil alles sagt: Hier darfst du sein. Und bleiben. Weil die Möbel für Menschen gemacht sind und für Jahrzehnte – nicht für die Eitelkeit. Weil sie Vertrauen einflößen, beständig wirken.

»Wir haben die Möbel für das Thomas Mann House so ausgewählt, als wären sie schon immer da gewesen«, sagt Ursula Seeba-Hannan. Als Stilvorbild fielen die Manns aus. Die Familie hatte damals ihr Gründerzeitmobiliar mitgebracht und in die Villa gestellt: Dunkle Eiche meets Architekturmoderne. Möbel aus deutscher Fertigung sollten es nun wieder sein, jedoch passend zum Haus und zur Gegenwart.

Für Ursula Seeba-Hannan war sofort klar, dass Walter Knoll zu den Projektpartnern gehören würde. »Die Polstermöbel sind einfach exzellent. Es gibt nicht viele Hersteller, die handwerklich so in die Tiefe gehen und so viel Liebe ins Detail investieren.« Sie wählte Firmen mit Tradition und Erfahrung, deren Produkte noch lange erhältlich sein werden. Die Modelle im Haus spannen einen Bogen von den Zwanzigerjahren bis zur Gegenwart, es sind allesamt Klassiker, die noch heute modern wirken. »Der Votteler Chair von Walter Knoll verbindet sich wie selbstverständlich mit den anderen Elementen im Raum. Er ist mein absolutes Lieblingsstück!« Der zeitlose Ruhe- und Lesesessel ist inspiriert von skandinavischer Sachlichkeit, er kombiniert filigranes Stahlrohr mit voluminösem Polster und Armlehnen aus massivem Holz. Entworfen hat ihn Arno Votteler 1956 bei Walter Knoll. Der Designer und Innenarchitekt ist heute fast neunzig Jahre alt und gerührt von dieser Wahl. Immerhin blickt er selbst in seinem Arbeitszimmer auf einige Regalmeter Thomas-Mann-Literatur.

Ursula Seeba-Hannan machte die Votteler Chairs zu den Protagonisten im Wohnzimmer. Die zweite Hauptrolle spielt das helle Sofa Prime Time von Walter Knoll, ein zeitgenössischer Entwurf des Designteams EOOS. Ihm verlieh sie mit ein paar Veränderungen einen Fünfzigerjahre-Touch. Die Rückenlehne wurde ein wenig kleiner, der Boden des Sofas aus dunklem Holz gefertigt.

Eitelkeit ist der Feind der Behaglichkeit. Und auch Demokratien gelingen nur, wenn niemand auf Alleingängen beharrt. In dieser Überzeugung kooperierten alle Beteiligten bei diesem Projekt. Markus Benz, Chef von Walter Knoll, kommentiert: »Beim Thomas Mann House wirkten Unternehmen im Vertrauen zusammen, gemeinsam ein besseres Ergebnis zu erzielen. Diese Unternehmen, die sich durch besondere Kreativität und hohe Handwerklichkeit auszeichnen, sind Teil der wirtschaftskulturellen Leistungsfähigkeit Deutschlands.«

Gemeinsam mit Walter Knoll, Thonet und anderen Firmen suchte Ursula Seeba-Hannan nach den perfekten Stoffen und Farben. Das Problem: Möbelmacher entwickeln ihre Sofas und Sessel meist ganzheitlich; Modelle entstehen im Austarieren von Proportionen, Material und Bezügen. Fremde Textilien müssen erst geprüft werden, nicht jede Faser ist geeignet. Und so fuhr Ursula Seeba-Hannan mit ihrem Bündel von einem Hersteller zum anderen, besprach ihre Vision. Sie stellte schließlich eine Auswahl zusammen, flog nach Los Angeles, breitete ihre Palette im Haus aus – und sah: In dem heißen Klima von L. A., unter der kalifornischen Sonne brauchte sie ganz andere Stoffe und Farben als in Nordeuropa. Die Suche begann von vorn, die Polsterer testeten und berieten. »Ihr Engagement und ihr enormes Know-how haben mich sehr berührt«, sagt sie. Am Ende wurden es Leinen- und Baumwollbezüge in Antikblau- und Antikgrüntönen, die an die Vierzigerjahre erinnern. Wie gut das Polstererteam sie verarbeitete, darin sieht Ursula Seeba-Hannan einen weiteren Beleg für die Flexibilität und die Professionalität der Menschen bei Walter Knoll.

Die Einweihung der Villa ist ihr in guter Erinnerung. »Die sehen ja fantastisch aus«, habe Jutta Allmendinger gerufen, als sie die Votteler Chairs im mannschen Wohnzimmer entdeckte. Als eine der ersten Stipendiatinnen im Thomas Mann House war die Sozialforscherin zur Eröffnung eingeladen, zusammen mit anderen Fellows wie dem Schauspieler Burghart Klaußner und dem Thomas-Mann-Forscher Heinrich Detering. Sie alle werden in Thomas Manns Arbeitszimmer künftig am massiven Holztisch Andoo von Walter Knoll arbeiten. Ein wenig zögerlich hätten die Stipendiaten sich anfangs schon durch die Räume bewegt, erzählt Ursula Seeba-Hannan. Bis sie sie bat, sich einfach mal zu setzen. »Mensch«, habe Jutta Allmendinger im Votteler Chair gesagt, »der ist ja nicht nur schön, sondern auch bequem!«

  • 480p
  • 1080p
  • 720p
  • 360p
  • 240p

Informationen
  • Projekt

    Thomas Mann House, Los Angeles, USA

  • Räumlichkeiten

    Esszimmer, Homeoffice, Wohnzimmer

  • Fotos

    LenzWerk Holding, Berlin, Deutschland

  • Architektur

    Julius Ralph Davidson (1889-1977), Los Angeles, USA

  • Interior Design

    LenzWerk Holding, Berlin, Deutschland